1929 - 1933


Der Polizeisportverein Wiesbaden wird vier Jahre alt. Ein Grund zum Feiern? In der heutigen Zeit käme wohl kein Verein auf die Idee, eine besondere Festveranstaltung auszurichten. Versetzen wir uns aber in die damalige Zeit. Schon 1925 wird unter schwierigen Bedingungen ein Polizeisportverein gegründet. Dienstliche Obliegenheiten ließen in den Folgejahren nicht immer ein geregeltes Vereinsleben zu. Ich glaube auch, dass unsere damaligen Kollegen keine große Hoffnung in die Zukunft setzten. Die Zeichen standen dafür. In Wiesbaden zogen 1929 die ersten Nazis in die Stadtverordnetenversammlung ein; in Berlin kam es zu blutigen kommunistischen Unruhen.

Also wird gefeiert. Eine anspruchsvolle Festschrift steht den Mitgliedern zur Verfügung. Konzertante Musik erfreut die Festgäste, die vereinseigene „Musterriege am Barren“ tritt auf, Künstler des „Park-Kabaretts“ präsentieren sich und anschließend findet der große Festball statt.

Stolz verkündete der Vorsitzende, dass der Verein „mit seiner Weiterentwicklung“ durchaus zufrieden sein kann. Der Mitgliederstand hat sich auf die stattliche Zahl von 234 Polizeibeamten erhöht. „Bedeutende Anschaffungen an Geräten usw. wurden vorgenommen. Die Unfallfürsorge für verletzte Spieler ist gesichert und die Anschaffung einer Sportbibliothek ist bereits vollzogen. Die Musikkapelle hat sich bei allen besonderen Gelegenheiten bereitwillig zur Verfügung gestellt und Vorstand sowohl als auch der Spielausschuss sind bemüht, fernerhin mitzuwirken an der weiteren Ausbildung aller Sportzweige unserer Aktiven“.

Die Festschrift enthält die Namen aller Vereinsmitglieder. Dabei stellen einige Namen schon Beziehungen zu Polizeibeamten her, die dem einen oder anderen vielleicht noch bekannt sind. Gestatten Sie mir an dieser Stelle auch eine persönliche Bemerkung: Mein Vater, Richard Niedenthal, der zu dieser Zeit auf dem 1. Polizeirevier in der Friedrichstraße seinen Dienst versah, ist ebenfalls in der Aufzählung zu finden.

Das sportliche Vereinsleben blühte und gedeihte. Dies war aber nicht nur das Ergebnis der guten Gemeinschaftspflege oder der besonderen sportlichen Ergebnisse. Die Wirkung auf die Bevölkerung und die Verbundenheit mit ihr spielte eine herausragende Rolle, denn mehr und mehr Kinder, Jugendliche und Frauen fanden im Polizeisportverein eine schöne sportliche Heimat.

Bis zum Beginn des 2. Weltkrieges gehörte der Polizei-Sportverein zu den Säulen des Wiesbadener Vereinssports. Der Vorstand mit seinen engagierten Polizisten entwickelte große Aktivitäten. Die älteren Sportfreunde gründeten eine Kegelabteilung. Eine Tennisabteilung gab eine nur kurze Gastrolle; sie fiel finanziellen Problemen zum Opfer. Dagegen war die Gründung einer Kleinkaliberschützenabteilung ein voller Erfolg. Aber auch die Leichtathletikabteilung war sehr rege. Sie sprach bei Wettkämpfen stets ein gewichtiges Wort mit. Damit war der Tatendrang des PSV noch lange nicht gestillt. „Eine gegründete Schwimmabteilung hielt sich in Anbetracht der damals schwierigen Trainingsverhältnisse nicht allzu lange über Wasser. Sie versank nach kurzer Zeit in den Fluten des ehemaligen Viktoria-Bades“. Es folgten eine Schäferhunde- und Jiu-Jitsu-Abteilung. Im Oktober 1931 gründeten als letzte die Fußballer eine Abteilung. Der Start war verheißungsvoll. Die Alten Herren des SVW hatten mit 0:4 das Nachsehen.

Im Laufe der Jahre blieben die drei Hauptsäulen des PSV – Handball, Fußball und Kleinkaliberschießen – übrig, auf denen sich der Verein aufbaute. Diese Abteilungen verstanden es, alle Schwierigkeiten zu meistern. Sie trugen den Namen des PSV weit über die Stadtgrenzen hinaus.

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