Entwicklung des Vereins

Die Historie des Polizeisportvereins Grün-Weiß Wiesbaden kann nicht abgehandelt werden, ohne auf die Epoche der Anfänge der deutschen Polizeisportbewegung nach dem 1. Weltkrieg einzugehen. Der Ausgang des Krieges und die damit verbundene politische Umwälzung stellten die neue Polizei vor völlig andere Aufgaben. Sie konnten nur durch zusammengefasste, unter einheitlicher Führung stehende Polizeiformationen gelöst werden. Die ihnen angehörenden jungen Männer – meist frühere Soldaten des Weltkrieges – mussten „höchster körperlicher Beanspruchung“ gewachsen sein. Im Rahmen ihrer Kurzausbildung wurden die „Leibesübungen als so wertvolle Ausbildungs- und Erziehungsfaktoren erkannt“, dass man in der Folgezeit nicht mehr auf sie verzichten wollte. Damit wurden allerdings auch althergebrachte und zum Teil überkommene Methoden wie das Exerzieren abgelöst. Die dienstliche Körperschulung moderner Prägung erlebte in der hessischen Polizei ihre erste Blüte im Jahre 1922, als die Polizei dazu überging, an der Landespolizeischule Darmstadt junge ungediente Polizeianwärter einzustellen. Körperschulung wurde als amtliches Lehrfach in den Lehrstoffplan der Grundausbildung aufgenommen.

„Die Überführung junger sportgestählter Polizeiwachtmeister von der Landespolizeischule in die Hundertschaften der Schutzpolizei ab 1923 belebte naturgemäß das sportliche Geschehen in den Standorten und ließ überall den Wunsch nach freier organisatorischer Zusammenfassung der Polizeisportler auf Vereinsbasis aufkommen“. Nicht nur in Hessen trafen Polizeibeamte organisatorische Vorbereitungen zur Gründung von Polizeisportvereinen.

Sechs schwierige Jahre nach dem 1. Weltkrieg neigten sich endlich ihrem Ende zu. Die geplagte Bevölkerung konnte wieder etwas aufzuatmen. Es begann eine Zeit der politischen Entspannung und wirtschaftlichen Besserung. Davon profitierte insbesondere die Polizei. Sie konnte nach den unruhigen Jahren endlich ihrer eigentlichen Aufgabe nachgehen.

Erinnern wir uns der großen Demonstrationen von USPD und KPD zu Anfang der zwanziger Jahre, des tödlichen Attentats auf den Reichsminister des Auswärtigen Walter Rathenau im Jahre 1922, der Verhängung des Ausnahmezustandes für das Reichsgebiet 1923, des Ruhrkampfes im Jahre 1923, des Hitler-Putsches im November 1923 und vieler anderer unangenehmer Ereignisse, die an der Polizei nicht spurlos vorübergingen.

Auch in Wiesbaden selbst hatte die Polizei ein paar unruhige Ereignisse zu überstehen. So veranstaltete die separatistische „Rheinische Volksvereinigung“ am 23. September 1923 im Kurhaus eine Kundgebung. Beim Abmarsch der Versammlungsteilnehmer zum Bahnhof kam es zu mehreren Zwischenfällen. In der Nacht zum 23. Oktober 1923 drangen bewaffnete „Separatistenhaufen“ in das Rathaus, das Regierungsgebäude und das Landeshaus ein. Die Gewerkschaften riefen gegen diese Gewaltakte den Generalstreik aus. Eine sehr schwierige Situation für die Polizei. Sie wurde nicht nur am Vorgehen gegen die separatistischen Eindringlinge gehindert; sie wurde sogar vorübergehend durch die französische Gendarmerie entwaffnet und eine Anzahl Polizeibeamter erhielt Ausweisungsbefehle.

Die politische Normalität kehrt ein. Endlich hat die Polizei neben ihrem Dienst die notwendige Zeit, Vereine zu gründen. Sie wurden Heimat für die Sportler und waren gleichzeitig bedeutsame Zeichen des Zusammengehörigkeitsgefühls. Je nach Größe und Zusammensetzung der Polizeisportvereine wurden mehr oder weniger Fachabteilungen gebildet, denen das Spezialtraining und die Vorbereitung für die Teilnahme an Wettkämpfen oblag. Der Anschluss an die deutschen Sportverbände wurde vollzogen und damit die Teilnahme an Meisterschaftswettkämpfen gesichert.

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